Handyverbot an Schulen – ja oder nein: Was sagen die Studien?

25. Apr 2024

Revolution des Lernens oder Ablenkungsquelle Nummer eins – das Für und Wider von Smartphones im Schulalltag wird angesichts sinkender Leistungen kontrovers diskutiert. Neue Erkenntnisse zum Ablenkungspotential von Handys im Unterricht liefert die PISA-Studie. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse in Infografiken veranschaulicht.

Jede*r vierte Jugendliche verspürt Druck, im Unterricht auf Nachrichten zu antworten.

Drei Zahlen führen eindrucksvoll vor Augen, wie sehr das Smartphone das Leben der Jugendlichen durchdringt:

  • 36,9 Stunden – so viel Zeit verbringen Jugendliche in Deutschland jede Woche am Smartphone. Das zeigte letztes Jahr die Postbank Jugend-Digitalstudie. Umgerechnet hingen die befragten 16- bis 18-Jährigen also jeden Tag über fünf Stunden lang am Handy.
  • 237 – die Hälfte der 11- bis 17-Jährigen erhält mindestens 237 Benachrichtigungen pro Tag. Rund ein Viertel der Meldungen (23 Prozent) gehen während der Schulzeit ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der amerikanischen Non-Profit-Organisation Common Sense Media vom letzten Jahr.
  • 24,5 Prozent – das ist der Anteil der 10- bis 17-Jährigen, die Social-Media-Dienste wie TikTok, Instagram oder WhatsApp riskant viel nutzen. Diese Jugendlichen haben also ein erhöhtes Risiko für schädliche Folgen für die physische oder psychische Gesundheit, so die Untersuchung der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf vom Februar dieses Jahres.

Angesichts solcher besorgniserregenden Zahlen führen immer mehr Regierungen flächendeckend allgemeine Handyverbote an Schulen ein, zuletzt in England und in den Niederlanden. Auch in Deutschland denken immer mehr Schulen darüber nach, die private Handynutzung auf dem Schulgelände zu verbieten.

Konkrete wissenschaftliche Untersuchungen, wie sich ein generelles Handyverbot auf den Lernerfolg auswirkt, gibt es nur wenige. Eine 2016 veröffentlichte Studie aus England stellte fest, dass sich an weiterführenden Schulen, die ein Handyverbot einführten, die Testergebnisse deutlich verbesserten. Besonders stark war der Anstieg bei den leistungsschwächsten Schülerinnen und Schülern. Der Effekt bei diesen Jugendlichen entsprach etwa einer zusätzlichen Unterrichtsstunde pro Schulwoche. Die Wissenschaftler führen den größeren Effekt des Handyverbots bei diesen Jugendlichen darauf zurück, dass es den leistungsstärkeren Mitschülerinnen und Mitschülern von Haus aus leichter gefallen sei, Ablenkungen auszublenden und sich auf das Lernen zu konzentrieren. Das Handyverbot komme daher den Leistungsschwächeren besonders zugute.

Allerdings wurden die Daten, auf die sich die englische Studie bezieht, zwischen 2001 und 2013 erhoben. Damals waren Smartphones im Schulalltag längst nicht so präsent wie heute und ein Handyverbot vermutlich leichter durchzusetzen. So argumentiert zumindest ein schwedisches Forscherteam. In ihrer Studie von 2019 wollten die Forscher die Ergebnisse aus England mit neueren Daten replizieren, konnten aber keinen positiven Effekt eines Handyverbots nachweisen. Der Unterricht in Schweden sei ohnehin seit vielen Jahren stark digitalisiert und ein Handyverbot in einem solchen Umfeld wahrscheinlich weniger effektiv, argumentieren die Wissenschaftler.

Das Smartphone und die Schule – Erkenntnisse aus PISA 2022
Doch wie ist die Lage an deutschen Schulen? Die PISA-Studie ist bekannt dafür, die Fachkompetenzen von 15-Jährigen zu messen, doch die Studie befragt sie regelmäßig zu anderen Aspekten des Schulalltags – zuletzt auch zum Thema Handynutzung. Das Schulportal hat die wichtigsten PISA-Daten für 15-Jährige in Deutschland ausgewertet.

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