Nahostkonflikt: In der Schule über Israel und Palästina sprechen

02. Nov 2023

Nach dem Großangriff der islamistischen Hamas auf Israel kommt der Konflikt auch in vielen Schulen in Deutschland an. Lehrkräfte sind oft unsicher, wie sie mit der aufgeheizten Stimmung umgehen sollen, ohne sie weiter anzufachen.

ir haben darüber mit Shai Hoffmann und Jouanna Hassoun gesprochen. Hoffmann ist Sohn israelischer Eltern und lebt in Berlin. Hassoun kam als Kind palästinensischer Flüchtlinge nach Berlin. Beide bieten Fortbildungen an für Lehrkräfte, die den israelisch-palästinensischen Konflikt im Schulunterricht aufgreifen möchten.

Schulportal: Medien berichten, dass es infolge der jüngsten Angriffe der Hamas auf Israel zu Gewalt an einer Schule in Berlin-Neukölln gekommen ist. Sind auch Ihnen solche Vorfälle bekannt?
Jouanna Hassoun: Weitere Gewaltvorfälle sind uns nicht bekannt. Wir hören aber von verschiedenen Lehrkräften, dass es in den Klassenzimmern in den vergangenen Tagen zu hoch emotionalen Diskussionen gekommen ist.

Schulportal: Woher rühren diese Emotionen?
Shai Hoffmann: Wenn wir in Deutschland über Israel reden, berührt das immer ein Stück weit das kollektive Erinnerungsgedächtnis einer Mehrheitsgesellschaft, weil hier vor fünfundachtzig Jahren ein Genozid stattgefunden hat. Die Generation Z hat damit direkt nichts zu tun, aber trotzdem sitzt das kollektive Trauma tief. Das führt womöglich dazu, dass man politisch bedingungslos auf der Seite Israels stehen möchte. Gleichzeitig beobachten wir aber auch, wie Teile der Einwanderungsgesellschaft auch die gesellschaftliche Anerkennung ihres Leids und ihrer Traumata fordern.

In zahlreichen Schulen gibt es also Menschen, die jüdisches Leben und auch den Staat Israel verteidigen. Andererseits gibt es Menschen – viele von ihnen mit einer Migrationsgeschichte –, die anders sozialisiert sind und deshalb anders fühlen. Das macht es an deutschen Schulen schwer, über dieses komplexe Thema zu sprechen, und dennoch müssen beide Meinungen ausgehalten werden können.

Schulportal: Was sagen Sie Lehrkräften, die in dieser Situation Angst davor haben, mit ihren Schülerinnen und Schülern über das Thema zu sprechen?
Shai Hoffmann: Pädagoginnen und Pädagogen sollten zunächst einen Schritt zurückgehen und ihre eigene Haltung zu diesem Konflikt reflektieren: Mit welcher Brille schaue ich darauf? Wie stehe ich zu den Informationen, die ich bekomme? Habe ich Verständnis für beide Seiten – also sowohl für die Israelis als auch für die Palästinenserinnen und Palästinenser? Und vor allem: Welche Gefühle löst das jetzt eigentlich in mir aus?

Jouanna Hassoun: Wichtig ist, empathisch mit dem Thema umzugehen, erst einmal zuzuhören und die Emotionen auszuhalten, um sie anschließend zu reflektieren und so zu einer Einigung zu kommen. Die Gespräche sollten respektvoll sein, keiner sollte beleidigt, beschimpft oder in eine Ecke gedrängt werden.

Voraussetzung dafür ist aber, dass die Lehrkräfte eine gute Beziehung zu ihren Schülerinnen und Schülern haben. Wenn das nicht der Fall ist oder wenn Lehrkräfte meinen, sie packen das nicht, weil sie zum Beispiel einen zu vollen Lehrplan haben oder sich thematisch nicht gut genug auskennen, dann sollten sie sich Hilfe holen. Wir geben Lehrkräften mit unseren Bildungsmaterialien Werkzeuge an die Hand, um das Thema multiperspektivisch aufzugreifen. Wir berücksichtigen also verschiedene Perspektiven, damit die Pädagoginnen und Pädagogen unterschiedliche Narrative berücksichtigen und empathisch mit der Thematik umgehen können. Shai und ich bieten nun auch Trialoge an, um mit den Schülern und Lehrenden ins Gespräch zu gehen. Wir sind auch gerne bereit, persönlich in Schulen zu gehen, um hier eine Hilfe zu sein. Und es gibt auch viele andere Initiativen, die zu der Thematik arbeiten und Unterstützung anbieten, zum Beispiel „ju:an“, „Meet a Jew“ und „Bildung in Widerspruch“.

Den vollständigen Artikel finden sie hier auf der Website. 

Quelle: https://deutsches-schulportal.de/

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