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Social Media Verbot? ein klares JEIN

06. Mär 2026

Netzpolitik zeigt am Beispiel mehrerer Umfragen, die widersprüchliche Ergebnisse zum Thema Social Media Verbot brachten, welche Fragen eben NICHT gestellt wurden und was wir statt eines klaren Ja/Nein eigentlich aus den Daten herauslesen könn(t)en.

Soll der Staat soziale Medien für Minderjährige verbieten – und sollen alle Nutzer*innen beweisen müssen, dass sie keine Kinder mehr sind? Darum geht es in der international brodelnden Social-Media-Debatte. Australien hat ein solches Social-Media-Verbot seit Dezember. Nachmachen möchten das unter anderem die CDU, Bundeskanzler Friedrich Merz und SPD-Vizekanzler Lars Klingbeil sowie die Staats- und Regierungschef*innen weiterer EU-Länder.

In Umfragen klopfen Meinungsforscher*innen ab, wie Menschen in Deutschland das bewerten. Welche Social-Media-Regulierung ist gut, welche schlecht? Die bisherigen Ergebnisse zeigen: Je differenzierter man fragt, desto differenzierter sind die Antworten.

Mehrheiten für Verbote: Es kommt aufs Alter an

Jüngst hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage mit 2.685 Menschen aus Deutschland veröffentlicht. Das australische Modell mit einer Altersgrenze von 16 Jahren fällt bei den Befragten durch: Die Mehrheit von 50,4 Prozent lehnt es ab, nur 33 Prozent finden es gut.

Mit einer niedrigen Altersgrenze von 12 Jahren dagegen könnten sich laut DIW die meisten anfreunden: 71 Prozent befürworten das.

Im Widerspruch zur DIW-Umfrage stehen ältere Umfragen des ifo Instituts und des Instituts Insa. Demnach befürworten die meisten Deutschen durchaus ein Verbot bis 16 Jahre. Die Befragten hatten aber nicht die Wahl zwischen mehreren Altersstufen. Eine breite Palette an Altersstufen bekamen dagegen die Befragten durch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung vorgesetzt. Die meisten (38 Prozent) entschieden sich für 14 Jahre.

14 Jahre ist auch die Grenze, auf die sich jüngst die CDU per Parteitagsbeschluss geeinigt hat. Wichtige SPD-Politiker*innen wollen sie ebenso haben. Hierzu gibt es auch eine Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-Politbarometer: Demnach finden das 81 Prozent der Befragten gut.

Wer nicht weiter bohrt, könnte an dieser Stelle den Eindruck gewinnen: Solange die Altersgrenze nicht zu hoch ist, dürfte ein Social-Media-Verbot bei den meisten Menschen in Deutschland auf Wohlwollen stoßen. Aber das greift zu kurz.

Alterskontrollen für alle: Die Frage, die fast niemand stellt

Ob 12, 14 oder 16 Jahre, der Fokus auf das Alter verkennt den springenden Punkt: die Durchsetzung. Begleitet werden sollen die derzeit diskutierten Social-Media-Verbote nämlich in aller Regel von zuverlässigen Alterskontrollen.

Im Gespräch sind etwa Verfahren, bei denen alle Menschen gegenüber vielen wichtigen Plattformen per Ausweis belegen müssen, dass sie schon alt genug sind. Sonst können sie beispielsweise kein Video auf YouTube liken. Eine häufige Alternative zu Ausweiskontrollen sind biometrische Scans des Gesichts. Auf deren Grundlage soll eine (oft als KI bezeichnete) Software eine Schätzung anstellen. Dabei passieren häufig Fehler.

Solche und weitere Verfahren zur Durchsetzung von Alterskontrollen können sehr invasiv sein. Sie bedeuten nicht nur mehr Frickelei und mehr Hürden für alle Menschen im Netz, sondern greifen auch in die Privatsphäre ein; bergen die Gefahr von Datenschutz-Skandalen – und schließen Hunderttausende Menschen aus, die schlicht keine Papiere haben, um Kontrollen zu meistern. Hunderte Forscher*innen aus Technologie und IT-Sicherheit warnen deshalb eindringlich vor den Folgen von Alterskontrollen.

Das führt zu einer Kernfrage der Social-Media-Debatte: Sind Sie bereit, sich im Internet großflächigen Kontrollen ihrer Ausweispapiere zu unterziehen oder ihr Gesicht scannen zu lassen?

Dieser Aspekt fehlt in den Umfragen vieler Meinungsforscher*innen. Daran gedacht hat zumindest das Institut YouGov im Auftrag des Internet-Branchenverbands eco. Das Ergebnis: Die meisten Befragten wollen solche Kontrollen nicht haben.

Eine Altersprüfung durch offiziell ausgestellte Dokumente befürworten demnach 44 Prozent.

Eine KI-basierte Altersschätzung befürworten nur 10 Prozent.
Dennoch wollen die meisten der von YouGov befragten Menschen (82 Prozent) eine Altersgrenze für Social Media. Das legt den Verdacht nahe: Viele finden ein Verbot gut, solange es sie nicht selbst einschränkt.

Quelle: D64-Ticker // [email protected] und Netzpolitik.org

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